Die Stimmung beim FFC Frankfurt war schon einmal besser. Zwei Niederlagen hintereinander in der Bundesliga und ein unsouveränes Weiterkommen in der Champions League. Wie es im Fußball so ist, wird der Fehler beim Trainer gesucht. Ein Ausblick auf mögliche Nachfolger.

Zwei Wutausbrüche hintereinander – das kommt im Frauenfußball selten gut an. Wutreden nach Vorbild Trapattoni sind höchstens seiner Exzellenz Bernd Schröder gestattet. Von ihm werden sie gar erwartet. Sven Kahlerts Ausflüchte über die mangelnde Leistungsbereitschaft seiner Mannschaft kommen hingegen weniger gut an. Am Sonntag nach der
Heimniederlage gegen Turbine Potsdam machte sich Kahlert Luft: Einige Spielerinnen seiner Mannschaft hätten den Beruf verfehlt und generell würden sich selbige Spielerinnen nicht an seine Ansprachen halten. Frankfurts Manager Siegfried Dietrich – noch gezeichnet von der dritten Niederlage in Folge – schien der Implosion nahe.
Die Tage von Trainer Kahlert sind gezählt. Wir wünschen ihm natürlich alles Gute und hoffen, dass er seinen Job behalten darf. Präventiv hier trotzdem schon mal eine Liste mit möglichen Nachfolgern oder Nachfolgerinnen.
Die UnauffälligeUm eine Trainerkarriere in der Frauen-Nationalmannschaft starten zu können, bedarf es den Mut sich in Daunenlackmänteln mit Fellrand am Spielfeldrand zu zeigen. Dieser geht
Anouschka Bernard leider ab. Dafür überzeugte sie als Spielerin, in der Jugendarbeit bei Hertha BSC und nun auch beim DFB-Nachwuchs mit einer Menge Fußballverstand. Der Vereinsfußball ist für sie der mantelfreie Weg ins internationale Geschäft.
Der RacheengelHand auf Herz – die Versöhnungsszenen aus Potsdam von vor einigen Wochen haben doch so ziemlich niemanden wirklich überzeugt.
Silvia Neid und Bernd Schröder werden niemals auf einen grünen Zweig kommen. Um den schwelenden Konflikt endlich zu beseitigen, schmeißt Silv ihr Amt als Bundestrainerin hin und nimmt Rache im direkten Duell gegen Schröder.
Der FeuerwehrmannPeter Neururer, der Mann mit dem Hardrock-Klingelton ist bei jeder kritischen Trainerentlassung ein heißer Favorit für die Nachfolge und hat schon so manchen Verein, äh, gerettet. Wieso nicht auch mal im Frauenfußball?
Die graue EminenzFrauenfußball in Frankfurt und
Birgit Prinz, das ist wie Frankfurter Würstchen mit Ketchup und Senf – nur zusammen richtig gut. Da die Prinz aber ihre aktive fußballerische Karriere beendet hat und das Geld selbst beim FFC nicht für eine ganze Stelle als Team-Psychologin reicht, bleibt nur die Möglichkeit, Trainerin zu werden. Motivations-Harakiri, wie es Sven Kahlert betreibt, wird die Diplom-Psychologin Prinz gewiss vermeiden.
Die südländische DivaBis zur WM hatte
Carolina Morace mit der kanadischen Nationalmannschaft beachtliche Erfolge gefeiert. Dann kam es zum Bruch – wohl wegen Differenzen in der Finanzplanung zwischen Morace und dem Verband. Finanzen sind in Frankfurt kein sonderlich großes Problem. Carolina Morace, eine Frau mit großen Ambitionen, wäre eine ideale und attraktive Besetzung für die Frankfurter Trainerbank.
Der Frauen-VersteherEin
Lothar Matthäus kann keine Gelegenheit auslassen, doch noch den ewigen Ruhm zu erlangen. Außerdem kennt sich ein Lothar Matthäus mit jungen Frauen gut aus.
Wonder WomanGut, für diese Version müsste Sven Kahlert wohl noch ein Weilchen durchhalten. Aber die aktuell vereinslose
Abby Wambach wird nach den Olympischen Spielen gezielt auf Jobsuche gehen. Nach ihrer Trainer-Ersterfahrung bei magicJack – immerhin schaffte sie es bis in das WPS-Halbfinale – hat sie Blut geleckt.
Seine ExzellenzSeit dem Wechsel vom Ur-St.Paulianer Holger Stanislawski zur TSG Hoffenheim
sind in der deutschen Fußballwelt keine Werte mehr sicher. Nach Aussagen
Bernd Schröders kann sich Frankfurt alles kaufen, was sie wollen, also auch den wohl besten Vereinstrainer Europas. Warum sollte Schröder sich nicht kurz vor der Rente noch einmal ein sichereres Pölsterchen ansparen wollen?
Das sensible GenieEin exzellenter Trainer, der einst Tina Theune inspirierte das 4-2-3-1 System bei den DFB-Frauen einzuführen. Nach seinem Burn-Out wäre eine Trainerstelle beim FFC Frankfurt eine leise Rückkehr für
Ralf Rangnick in den Bezahlfußball. Champions League bleibt Champions League.
Die PensionärinDie Frau, die den deutschen Frauenfußball zu Ruhm und Ehre brachte, gehört noch
lange nicht zum alten Eisen. Nach sechs Jahren Pause ist es für
Tina Theune Zeit, neu anzugreifen.