Hintergründe

Die WPS kämpft ums Überleben   

Sie wollen nur spielen

30.11.2011 | Text: Maike Schulz | Bild: Imago

Die WPS steht nach drei Spielzeiten kurz vor der Auflösung. Trotz WM-Boom. Der bis dato geduldige US-Fußballverband hat den Liga-Verantwortlichen ein Ultimatum gestellt und sich damit selber in ein Dilemma gestürzt.
Die WPS kämpft ums Überleben - Sie wollen nur spielen Eine Liga mit nur fünf Mannschaften, dass macht keinen Sinn. Nach dem Ausschluss von "magicJack" bleiben in der US-amerikanischen Profiliga WPS aber nur fünf Teams für die Saison 2012 übrig. Jetzt droht die US Soccer Federation mit Sanktionen. Nach den Regeln der USSF müssen in ihren untergeordneten Profi-Ligen mindestens acht Mannschaften um die Meisterschaft spielen. Dies hatte die WPS seit der Einführung nicht leisten können. Da es sich aber um die einzige Frauenliga handelt, erteilte die USSF eine Sondergenehmigung für die Liga mit sechs Teams. Aber fünf? Das ist dann doch des Guten ein wenig zu wenig.

So weit so schlecht – könnte man meinen. Liga auflösen, Kapitel Frauenfußball-Profiliga schließen. Aber so einfach ist es mit der WPS nicht. Denn auch wenn es für die Saison 2012 erst fünf gemeldete Mannschaften gibt, haben bereits jetzt sieben Teams für die Saison 2013 gemeldet. Das ist kurios und stellt den US-Verband vor ein Problem. Ein vorzeitiger Einstieg der Teams in 2012 ist unwahrscheinlich. Die Vancouver Whitecaps und ein weiterer Westküsten-Verein können aus finanziellen bzw. organisatorischen Gründen erst 2013 in den Ligabetrieb eintreten. Die Whitecaps hätten theoretisch die Mittel und auch das Interesse, an der WPS 2012 teilzunehmen, allerdings haben sie ihr Dabeisein an eine Bedingung geknüpft: Die Mannschaft will nicht die Einzige an der Westküste sein. Hubert Busby Jr., Trainer der Whitecaps, erklärte im März, dass die Besitzer der kanadischen Mannschaft aus den Fehlern und Problemen gelernt hätten, die der Ex-WPS-Verein FC Gold Pride in den Saisons 2009 und 2010 an der Westküste gehabt hatte. Der FC Gold Pride war nach zwei Spielzeiten und trotz gewonnener Meisterschaft Konkurs gegangen, unter anderen wegen der enormen Reisekosten.

Ein Ultimatum

Die WPS selber wirbt, mit einer stetig wachsenden Fangemeinde, positiven Impulsen durch die WM, neuen Sponsoren und einem gestiegenen Interesse am Frauenfußball. Dieser Fortschritt, so wird argumentiert, werde durch die Olympischen Spiele 2012 weiter vorangetrieben. So sei es unabdinglich, für die Saison 2012 eine erneute Sondergenehmigung zu erteilen. Die USSF wäre ihrerseits auch bereit dazu, wenn es wenigstens sechs Mannschaften geben sollte. Die WPS hat nun 15 Tage Zeit, ein sechstes Team zu finden. Vorzugsweise außerhalb der Eastern Standard Time Zone, denn eine weitere Bedingung der USSF ist es, dass eine Profiliga in den USA mehr als eine Zeitzone abdecken muss. Die Uhr läuft rückwärts und so schalten sich die Spielerinnen selber ein, um ihre Liga zu retten.

»Suche fußballverrückten Millionär, der einen WPS-Club besitzen möchte.«

Becky Sauerbrunn etwa bewirbt eine Unterschriftenaktion, die den Erhalt der Liga sichern soll, Yael Averbuch berichtet in der »New York Times« über das Dilemma und Megan Rapinoe spricht mögliche Interessenten direkt über Twitter an: »Suche fußballverrückten Millionär, der einen WPS-Club besitzen möchte. Leute, die Liga darf nicht sterben!« Ex-Nationalspielerin Kate Markgraf weist darauf hin, dass es ohne die amerikanische Profiliga weder Shannon Boxx noch Abby Wambach gegeben hätte, ergo auch nicht den Erfolg der amerikanischen Nationalmannschaft. Jill Loyden sucht Kontakt zu Talkmasterin Oprah Winfrey, die sich für die Zukunft der Liga einsetzen soll. Aus Deutschland twittert Alyssa Naehr, sie sei dankbar für die WPS und appelliert an die USSF, sie solle die Träume der Spielerinnen und tausender junger Mädchen am Leben halten. Viele Fans fordern auch Ellen DeGeneres auf, in ein WPS-Team zu investieren, bestenfalls in LA. Ob die TV-Moderatorin, die vor einigen Wochen ein veganes Restaurant eröffnet hat, tatsächlich Interesse an einem Fußballverein hat, ist aber fraglich. Eine Mannschaft in L.A., unter welchem Besitzer auch immer, würde natürlich den Vancouver Whitecaps in die Karten spielen, die dann nicht mehr das einzige Westküsten-Team wären, und außerdem die Bedingung der USSF erfüllen, mehr als eine Zeitzone abzudecken.

Der Meister von 2009, Sky Blue FC, lässt sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen, verpflichtet Spielerinnen und bietet auf ihrer Internetseite bereits Saisonkarten für 2012 an.

Nach Ablauf des 15-tägigen Ultimatum hat die USSF drei Möglichkeiten: Sie kann die Liga auflösen, sie für eine Saison pausieren lassen oder die nächste Spielzeit mit fünf Mannschaften planen und hoffen, dass es kurzfristig doch noch eine sechste Mannschaft geben wird. Letzten Endes muss der Verband nun das ausbaden, was die Liga vor der Einführung versäumt hat. Es wurde in der Vergangenheit zu wenig auf eine solide finanzielle Absicherung der Vereine und zu viel auf einen kurzfristigen Hype gesetzt.