Um die Werbetrommel für die Frauen-WM zu rühren, ließ der DFB sogar eine Nationalspielerin meucheln. In Theo Zwanzigers Büro spielen sich mehrere Fußballpromis um Kopf und Kragen. Tränen gelacht in einer Szene, die vom Tod handelt? Da ist wohl was schief gelaufen.

Ein paar Monate vor der Ausstrahlung der »Tatort«-Folge war Schauspielerin Ulrike Folkerts alias Kommissarin Lena Odenthal zu Gast in der 11 FREUNDE-Redaktion. Allzu viel wollte sie über den bereits abgedrehten Frauenfußball-Krimi noch nicht verraten, doch irgendwie hatte man das Gefühl, als sei der Aktrice bei der Erinnerung an das Erlebte ein wenig unbehaglich zumute.
Warum das so war, durften die Fernsehzuschauer genau eine Woche vor Beginn der Frauen-WM erleben. Selten badete ein »Tatort« so in Klischees wie der Film »Im Abseits« über die Ermordung einer deutschen Nationalspielerin. Migration, Emanzipation, Kommerzialisierung, kein Thema wurde ausgelassen, alles mit der gröbsten Nadel gestrickt und am Ende war der Mörder natürlich der Gärtner, pardon: der Platzwart.
Das kann man nicht lernen, das hat man im BlutKein Wunder, dass Frau Folkerts die Sache schon à priori ein bisschen peinlich war, dabei spielte sie bei der abenteuerlichsten Szene gar nicht mit. Die fand im Büro von Theo Zwanziger statt, und was der DFB-Präsident, Bundestrainer Jogi Löw, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, OK-Chefin Steffi Jones und Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi dabei ablieferten, das kann man auf keiner Schauspielschule lernen – das muss man einfach im Blut haben.
Die genannten Personen sitzen also in Zwanzigers Office zusammen und halten ein Meeting ab, dessen Thema im Dunkeln liegt. Da klingelt plötzlich das Telefon, Theo geht ran, empfängt die Todesnachricht und erstarrt zur Salzsäule. »Nein«, sagt er, »sag, dass das nicht wahr ist.« Dies alles mit modulationsfreier Stimme, ein eigentlich denkbares Ausrufezeichen am Ende des Satzes wäre absolut unangemessen. Zwanziger legt auf, ohne sich von der Anruferin (Vereinstrainerin der Toten) zu verabschieden, er lässt sie mit ihrem Kummer allein. Stattdessen bläst er die Backen auf wie ein Backenhörnchen, um Betroffenheit zu signalisieren, geht zurück zur Runde und kübelt in leierndem Tonfall eine volle Ladung Schicksal über die Gäste aus: »Fadime ist tot.«
»Unfall, oder...?«Die Reaktion der Angesprochenen ist gespenstisch. Löw blickt nachdenklich aus der Wäsche, wie wenn er darüber grübeln würde, ob seine Elf im nächsten Länderspiel im 4-4-2 oder 4-2-3-1 antritt. Bierhoff guckt verschreckt, als hätte man ihn bei verbotenem Sex erwischt, und presst mühsam die Worte »Unfall, oder...?« heraus. Okoyino da Mbabi fasst sich an die Stirn und versucht zu weinen, doch da sind keine Tränen in ihr. Einzig die Mutter der Kompanie, Steffi Jones, behält den Überblick und sagt den heute schon legendären Satz: »Theo, lass uns nach Eppheim fahren!«
Ohne Frage haben Zwanziger & Co. damit für einen der größten Momente der deutschen TV-Unterhaltung im Jahr 2011 gesorgt – wenn auch leider nicht freiwillig. Der oft verspottete Tatort-Veteran Berti Vogts (»Gib dem Kaninchen eine Möhre extra!«) muss spätestens angesichts dieser Szene als rehabilitiert gelten.