Hintergründe

Mein Highlight 2011: Bibi für Deutschland   

Finale - Olé!

11.01.2012 | Text: Julia Orso | Bild: Imago

Die Frauen- Weltmeisterschaft 2011 ließ für unsere deutschen Damen zu wünschen übrig. Allein für positive Furore sorgte die deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, die mit überragender Leistung ihr eigenes Sommermärchen schrieb.
Mein Highlight 2011: Bibi für Deutschland - Finale - Olé! Für viele ist die WM 2011 längst gegessen und zumindest teilweise verdaut. Sollte sie auch, denn langsam nervt der Gedanke an immer wiederkehrende Resumes der deutschen Nationalelf diesen Sommer. Weil einfach zu viel darüber geredet wurde, macht es keinen Spaß mehr zuzuhören. Man muss ohnehin  nach vorne schauen, lautet die Devise vieler Fans und diverser Spielerinnen des deutschen Teams. Das versteht sich von allein, denn wer will schon durch so viel schlechte Erinnerung für neue Spiele blockiert sein?

Vorbild für Alle

Vielleicht hilft es aber auch, das Pferd mal von hinten aufzusatteln und mit einem Positivbeispiel voranzugehen. Bibiana Steinhaus ist für mich die Protagonistin des Sommermärchens 2011 und das völlig zu recht. Wovon ihre spielenden Kolleginnen nur träumen konnten, wurde für Steinhaus zum Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere. Und nicht umsonst schaffte es die 32- jährige bis ins Finale der Weltmeisterschaft 2011 in Frankfurt. Bibiana Steinhaus war optimal aufgestellt mit ihren Schiedsrichterassistentinnen Katrin Rafalski und Martina Wozniak und hinterließ einen bleibenden Eindruck bei Spielern, Trainern und Zuschauern. Ihres ist wohl das einzige Gesicht, das man diesen Sommer durchgehend gern betrachtet hat, weil es vor Fairness, Herzblut und guter Laune nur so strotzte.


Traditionsbewusst

Was lange währt, wird endlich gut,  könnte man sagen, denn die ausgebildete Polizeikommissarin  ist schon seit 1995 Schiedsrichterin und pfiff sich zunächst durch die Frauen Bundesliga hoch in die Männer- Oberliga. Ein rasanter Werdegang ohne viel Fankultur, wie man gestehen muss. Doch dass der Schiri- Job auch eine Passion mit öffentlicher Würdigung sein kann, bewies eben gerade diese Weltmeisterschaft. Fußballfans trugen »Bibiana«- T- Shirts und lobten ihre Arbeit in lauten Gesängen. Mit souveräner Sportlichkeit übertraf das Schiedsrichterteam um Bibiana Steinhaus viele Nationalteams und lieferte tatsächlich nahezu fehlerfreie Matches ab.

Ein guter Einstand, der belohnt werden sollte, dachte ich mir und fühlte mich mit dieser These nicht allein. Die Rede war vom Einstieg in die erste Bundesliga der Herren. Ein Verdienter Aufstieg, der viele Befürworter hatte. Doch der DFB hielt den Deckel über die erste Herrenliga für Damen geschlossen. Auch Fußball ist längst im 21. Jahrhundert angekommen, so vermutete ich, und war umso verwunderter als Hoeneß und Co. eindeutig das Gegenteil bewiesen. Die erste Herren- Bundesliga, ein Heiligtum für den DFB, wie sich herausstellte, als Steinhaus trotz Empfehlungen von DFB- Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg und OK- Chefin Steffi Jones von der Nominiertenliste entfernt wurde.

Stein auf Stein

Auch eine Schiedsrichterin muss mit Niederlagen umgehen können und das leider trotz ständig guter Leistung. Doch über  persönliche Siege und Niederlagen entscheidet Bibiana Steinhaus am liebsten selbst und so pfeift sich die blonde Hannoveranerin nach wie vor in die Herzen der 2. Bundesliga. Die Erinnerung der Weltmeisterschaft und ihre gesammelten Erfahrungen machen sie sicher nicht schwächer als zuvor.

Für viele steht ohnehin fest, dass eine WM ohne ein erfrischendes Talent wie Steinhaus wirklich sehr ernüchternd und viel zu früh zu Ende gewesen wäre.
Und mal ehrlich, wer braucht schon die erste Herren- Bundesliga, wenn sie bereits eine Weltmeisterschaft gepfiffen hat?