Interviews

Bernd Schröder im Interview   

»Nicht nur das Nationalteam trainiert richtig«

07.06.2011 | Text: Maike Schulz | Bild: Imago

Der Terminplan ist eng, die Verletztenliste lang. Bernd Schröder spricht über Training, Körperstabilität und welche Verantwortung der DFB, die Vereine und die Trainer haben.
Bernd Schröder im Interview - »Nicht nur das Nationalteam trainiert richtig« In der Pressekonferenz am 13. Spieltag kritisierten Sie, dass Tabea Kemme zur A-Nationalmannschaft eingeladen wurde.

Bernd Schröder: Da stehe ich auch zu. Ich bin nicht gegen Belastung. Belastung ist wichtig, um sich zu entwickeln. Aber wir mussten fünf Spielerinnen zu der U20 WM abstellen, nur zwei von ihnen haben gespielt. Alle Spielerinnen sind nach der WM wiedergekommen und mussten erst mal aufgebaut werden, psychisch. Dann hatten wir Spielerinnen bei der U17 WM, die in Trinidad und Tobago war, die hatten überhaupt gar keine Pause. Die kamen wieder und mussten gleich in die Saison starten. Damit ist es schwer umzugehen. Wir haben da noch die besten Kapazitäten. Es gibt andere Vereine, wie Essen-Schönebeck mit Malinowski, die haben echte Probleme bekommen. Fußballfachlich gesehen müssen die nach der WM erst mal pausieren. Die kommen wieder, haben das Finale nicht geschafft, und und und. Bei unseren hat man das gemerkt. Unsere Kristin Demann, Kapitänin der U17 kam wieder und war gleich verletzt.  


Trinidad und Tobago ist auch nicht gerade um die Ecke.

Bernd Schröder: Genau. Es wurde ein hoher Aufwand betrieben um diese WM und die Vereine, die Spielerinnen abgestellt haben, die haben hinterher die Probleme gehabt. Wir hatten drei dabei und alle drei sind erst jetzt wieder richtig auf der Spur. Das sind Probleme, die immer nur die drei, vier gleichen Mannschaften haben, nämlich die, die nicht nur Spielerinnen in der A-Nationalmannschaft haben, sondern auch in den U-Mannschaften bis runter zur U17. 

Was Sie sagen, knüpft an eine Sache an, die speziell in dieser Saison auffällt. Es verletzten sich auffällig viele Spielerinnen, die die U-Nationalmannschaften durchlaufen haben, diese Saison traf es schon über ein Dutzend.

Bernd Schröder: Das ist auch so. Dafür gibt es Gründe. Zum einen gibt es beim Fußball keine Gewissheit fürs Leben, Gewissheit gibt es nur in den Naturwissenschaften. Man kann nicht alle Spielerinnen über einen Kamm scheren. Aber die Vorbereitung in vielen Klubs ist sicherlich nicht optimal für die Hochleistungsbereiche, die gefordert werden. Dann werden junge Spielerinnen recht schnell in die Mannschaften geschmissen, weil die Qualitative Breite in den Klubs auch nicht so da ist. Und es ist auch eine andere Belastung, wenn du ständig rausgerissen wirst, und musst zu den Vereinen und zur Nationalmannschaft. Da sagen wieder einige, da trennt sich die Spreu vom Weizen. Wenn ich Nationalspielerin werden will, muss das über den Nachwuchs gehen und dann müssen sie solchen Belastungen physisch und psychisch Stand halten. 

Inwiefern können nicht alle Klubs die Vorbereitung leisten?

Bernd Schröder: Ein Hauptproblem, welches ich, in meiner Position sehe, ist, dass die Gesamtmotorik, die Stabilität, also die Gesamtkonstellation in Deutschland zurückgegangen ist. Ich war in einer Präventionsgruppe von Ulla Schmidt, da hat die Bundesregierung festgestellt, dass mindesten 30 Prozent der Gesamtmotorik unserer Gesellschaft zurückgegangen ist. Das ist ein gesellschaftliches Problem, aber aus der Gesellschaft bekommen wir ja unsere Spielerinnen. Da ist der Belastungsgrad, dem wir sie im Profibereich aussetzen mit Vorsicht zu genießen. Vor zwanzig Jahren konnten sie junge Menschen noch anders belasten. 

Und daraus resultieren Verletzungen?

Bernd Schröder: Natürlich muss man bei Verletzungen auch jeden Fall einzeln betrachten. Viele passieren ohne Gegnerkontakt und auch im Training und diese sind zurückzuführen auf einen Mangel an Gesamtkörperstabilität. Wir haben jetzt schon für unsere U15 im Internat spezielle Kraftprogramme eingerichtet, um diesen Mangel an Stabilität auszugleichen. Die Möglichkeiten haben viele Klubs nicht, zeitlich nicht und auch nicht logistisch. Einige sagen, dass man mit 12 Jährigen noch kein Krafttraining machen kann. Das ist der größte Quatsch. Wir müssen das sogar mit ihnen machen, um eben die für den Fußball wichtige Grundstabilität hineinzubekommen. Krafttraining bedeutet ja nicht Millionen Gewichte auf eine Hantel.