Interviews

Aylin Yaren will wieder dabei sein   

»Bis meine Muskeln sagen, dass Schluss ist.«

06.06.2011 | Text: Maike Schulz | Bild: Pamela Spitz

Aylin Yaren möchte zurück in die Fußballelite. Bis es so weit ist, tourt sie im Rahmenprogramm der Weltmeisterschaft durch Deutschland. Im Interview erzählt sie von Fehlern der Vergangenheit und Zukunftsplänen.
Aylin Yaren will wieder dabei sein - »Bis meine Muskeln sagen, dass Schluss ist.« Sie haben ihre Karriere mit normalem Fußball begonnen. Haben Sie sich irgendwann bewusst entschieden, Freestylerin zu werden?

Nein, das hat sich irgendwann so entwickelt. Ich hab schon immer gerne am Ball getrickst, einfache Sachen wie Ball hochhalten und im Nacken jonglieren. Ich wusste aber bis vor zwei Jahren nicht, dass man damit Auftritte haben kann. Dann habe ich Videos im Internet gefunden und die Tricks versucht nach zu machen. Mein Bruder hat dann meine heutige Agentur FUSSBALLMARKT angeschrieben, die haben mich aufgenommen, obwohl sie mit Mädels noch keine Erfahrungen hatten.  



Ich hab von einer Französin aus Paris gehört, die schon einige Auftritte mit ihren Künsten hatte.

Das war dann wohl Melody. Mit ihr hatte ich einen coolen Auftritt in der Deutschen Botschaft in Paris für das Deutsch-Französische Jugendwerk. Danach haben wir uns zusammen den Eiffelturm angeschaut. Zum WM-Spiel Deutschland – Frankreich in Mönchengladbach werde ich wieder mit ihr am Ball sein. 

Neben dem Freestylen sind sie weiter auch Vereinsfußballerin und haben sogar Bundesliga gespielt.

Ich hab mit Tennis Borussia Berlin in der Bundesliga gespielt, war in Schweden bei Malmö, dem schwedischen Meister. Nun versuche ich mit dem 1.FC Lübars in die Bundesliga aufzusteigen. Wieder erste Liga zu spielen wäre ein Traum. Ab Sommer werden wir wohl von Hertha übernommen. Die Trikots haben wir schon von ihnen, und jetzt wo die Männer aufgestiegen sind, wird das wohl auch klappen mit der Übernahme.

Würden Sie das gut finden? Zu Übernahmen von großen Männerklubs gibt es ja zwei Meinungen.

Für so einen kleinen Verein wäre das schon gut. Wir haben uns schon jetzt nicht schlecht geschlagen für einen Aufsteiger. Mit Hertha hätten wir noch mehr Möglichkeiten.

Wir oft trainieren Sie mit Lübars?

Vier Mal die Woche am Abend. 

Und wie trainieren Sie das freestylen?

Das mache ich bei mir zuhause, zwei bis drei Mal die Woche. Es wird oft länger als ich denke. Wenn ich den Ball anfasse und neue Tricks übe, dann will ich die auch schaffen. Im Winter hatte ich Glück, dass wir im Erdgeschoss wohnen, der Ball titscht doch schon einige Male auf, und auf Laminat hört man das. Meine Mutter weiß immer, wann ich trainiere. 

Geht da viel kaputt?

Nein, ich räume alles raus, mach Musik an und dann geht es los. Bis meine Muskeln sagen, dass Schluss ist. 

Haben Sie einen Trainer?

Anfangs habe ich mir Tricks im Internet angeschaut und so lange geübt, bis ich die auch konnte. Nun helfen mir die Jungs aus meiner Agentur auch mal mit neuen Tricks. Aber einen richtigen Trainer habe ich nicht.

Das ist viel Selbstdisziplin.

Auf jeden Fall. 

Verlieren Sie nicht manchmal die Lust, wenn es schlecht läuft?

Als ich gelernt hab, den Ball auf dem Kopf stillliegen zu lassen, war das so schwer, dass ich keinen Bock mehr hatte. Wenn dann der Trick doch klappt, baut dich das wieder auf und du machst gleich mit dem Nächsten Weiter. 

Die Konkurrenz unter den weiblichen Freestylern ist noch nicht so groß. Mit wem messen Sie sich?

Ich will mich vor allem verbessern. Ein wenig gucke ich da schon auf die Jungs, aber die sind noch so viel besser als ich. Ich bin für manche Tricks noch nicht gelenkig genug.

Gibt es Wettbewerbe?

Für Jungs gibt es da einiges. Ich dürfte zwar als Mädchen mitmachen, lasse mir da aber lieber noch etwas Zeit. Ich mache das ja erst seit zwei Jahren. 

Und für Frauen?

Da gibt es keine. Es gibt in Europa auch nur eine Hand voll Freestyle Girls, die das wirklich intensiv machen. Melody und Sandy aus Frankreich, Kitti aus Ungarn, Katie aus Holland und ich aus Deutschland. Es gibt bestimmt Mädchen, die gut tricksen, aber eben hobbymäßig.