Nach der 0:1-Niederlage im Viertelfinale ist die WM für die deutsche Elf vorbei. Manche haben es befürchtet, aber keiner wirklich damit gerechnet. Und nun? Geht der Frauenfußball nach dem abrupten Ende der Sommerparty zurück in den Keller?

Einem Volounteer schwante schon in der Halbzeitpause Böses: »Wenn die das hier verlieren, dann bekommt Wolfsburg nie wieder eine EM oder gar WM.« Und dann geschah in der
108. Minute tatsächlich das Unaussprechliche: Homare Sawa mit einem langen Pass auf Maruyama – 1:0 für Japan, Deutschland ist ausgeschieden.
Zwar versuchten die deutschen Frauen nach dem Gegentreffer – wie schon das ganze Spiel über – vogelwild zu einem Tor zu kommen, scheiterten allerdings stets an Torhüterin Kaihori oder sich selbst. Das Konzept, über die Außen mit hohen Flanken erfolgreich zu sein, schien anfangs aufzugehen, nur konnte
Celia Okoyino da Mbabi die Bälle nicht optimal verarbeiten, sie segelten meist einen Meter über das Tor. Am Ende versuchte das Publikum, die Bälle der Deutschen förmlich ins Tor zu brüllen, mit einem Ausscheiden hatte auf den Rängen nun wirklich niemand gerechnet.
Nach dem Abpfiff standen die Spielerinnen verloren auf dem Platz und wussten zunächst gar nicht, wie ihnen geschehen war.
DFB-Präsident Theo Zwanziger, der Oberhirte des deutschen Frauenfußballs, ging von Schäfchen zu Schäfchen und versuchte, durch Handauflegen zu trösten – vergeblich.
Bundestrainerin Silvia Neid hingegen wollte es schon vorher geahnt haben: »Wenn der Weltranglistenzweite gegen den Weltranglistenvierten spielt, dann geht es um Nuancen.« Japan zählt neben den USA tatsächlich nicht gerade zu den Lieblingsgegnern der deutschen Mannschaft und galt manchen schon vor Turnierbeginn als Geheimfavorit. So schrieb die frühere Bundestrainerin Tina Theune im 11FREUNDINNEN-Sonderheft zur WM, Japans Spiel sei dem der spanischen Männernationalmannschaft nicht unähnlich. An der haben sich Jogis Buben ja bekanntlich schon mehrfach die Zähne ausgebissen.
Und nun? Ist das Sommermärchen vorbei, der Traum vom Durchbruch des Frauenfußballs ausgeträumt, die Eventblase geplatzt? Schließlich war Deutschland an diesem Abend nicht nur aus der Heim-WM ausgeschieden, sondern hat wahrscheinlich auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 verpasst. Zwei Jahre ohne Großturnier, kann das das zarte Pflänzchen verkraften?
OK-Chefin Steffi Jones flüchtete sich erst mal in Allgemeinplätze: »Morgen sieht die Welt vielleicht schon wieder besser aus.« Weniger optimistische Zeitgenossen prognostizierten bereits wenige Minuten nach Abpfiff, dass es nun viele Finaltickets zu Spottpreisen geben könnte. Denn ein Finale ohne Deutschland würde die breite Öffentlichkeit kaum interessieren.
Was für die Organisatoren des Turniers und die deutsche Mannschaft ein Alptraum ist, könnte für den internationalen Frauenfußball allerdings durchaus eine Chance darstellen. Wenn nach 90 Minuten der Sieger nicht immer Deutschland heißt, steigt die Spannung bei Großturnieren und damit das Vermarktungspotential.
Seinem eigenen Zugpferd hat der DFB dagegen mit der konsequenten
Eventisierung der WM vielleicht einen zu großen Brocken in den Weg gelegt. Weil das Happy End im Ablauf quasi schon festgeschrieben war: Stadien voll, Zuschauer euphorisch, Spielerinnen Medienstars, Titel quasi à priori gewonnen. Daran sind schon ganz andere gescheitert.