Mehr als ein Dutzend offizielle und inoffizielle WM-Lieder schwirren derzeit durch den Äther, und bei manchem wünschte man, es wäre einem nie zu Ohren gekommen. Wir nehmen ab sofort jeden Tag einen Song auseinander.

Mal ein interessanter Ansatz: Mittelalte Männer, die ein Lied zur Frauen-WM aufzunehmen. Unter ihnen, so kann man dem Video entnehmen, befindet sich der ewige Assistenztrainer Michael Henke. Oder aber zumindest der etwas verlebte Zwillingsbruder von Michael Henke. Überhaupt sehen
Die Shenks so aus, als hätten sie große Teile ihres Lebens auf den Bühnen schlecht belüfteter Jugendzentren und dort direkt unter dem Zapfhahn verbracht.
Irgendwie scheint der Plan, von Obertshausen (Landkreis Offenbach) aus die Welt zu erobern, nicht so ganz funktioniert zu haben, und so wanzen sich Die Shenks jetzt an die WM-Fans ran und machen dabei sogar eine Geschlechter-Metamorphose durch.
»Mädels wie wir« singen sie und halten sich, um die Unglaubwürdigkeit dieser Aussage zu kaschieren, Prinz-, Kulig- oder Bajramaj-Pappen vor das Gesicht.
Die Musik dazu stammt aus einer Zeit, als Frauenfußball-Weltmeisterschaften noch eine ferne Zukunftsversion waren, Stichwort:
Neue Deutsche Welle. Nunmehr also antike deutsche Welle. Konkret erinnert das Liedchen an die Achtziger-Eintagsfliege
UKW, insbesondere die kecke
Casio-Orgel, deren Einsatz seit ungefähr 1987 als Verstoß gegen die Menschenrechte gilt.
Aber wie wollen gar nicht so streng mit den Shenks sein, denn ihren Beitrag zeichnet eines aus, was den meisten anderen
WM-Songs leider fehlt: eine angenehme Prise Selbstironie. Und der Refrain geht wirklich ins Ohr.