WM 2011 TEILNEHMERLÄNDER

Zu Besuch beim neuseeländischen Frauenfußball   

Am anderen Ende der Welt

03.07.2011 | Text: Maike Schulz | Bild: Maike Schulz

Die Qualifikation in Ozeanien ist reine Formsache, viele Spielerinnen sind unter zwanzig und der Trainer der jüngste der WM. Doch so richtig ernst wird die neuseeländische Nationalmannschaft nicht genommen.
Zu Besuch beim neuseeländischen Frauenfußball - Am anderen Ende der Welt Es regnet in Strömen. Am Spielfeldrand des Ellerslie AFC in Auckland stehen Eltern mit gelben Gummistiefeln und überdimensionalen Regenschirmen bis zum Knöchel im Matsch. Es ist Juni, das bedeutet Winter in Neuseeland und in Auckland regnet es an fünf von sieben Tagen. Für Marc Prenty ist es ein Wunder, dass das Spiel der D-Jugend Mädchen überhaupt angepfiffen wurde. Der Fußballclub hat nur zwei Plätze, Marc ist der einzige Festangestellte im Verein. Eigentlich werden die Felder geschont, damit zumindest die Männer einen vernünftigen Spieluntergrund haben. Aber nach drei Wochen wetterbedingter Spielpause dürfen die Mädchen doch mal wieder ran.



Dass die Mädchen des Ellerslie AFC überhaupt in einer eigenen Mannschaft gegen andere Mädchen spielen können, ist Verdienst des Frauen-Nationaltrainers John Herdman. Der Engländer arbeitet seit 2002 im Jugendbereich des Neuseeländischen Fußballverbandes (NZF) und übernahm vor der WM 2007 die Football Ferns als Cheftrainer. Er reformierte die Jugend- und vor allem die Mädchen-Förderung komplett: eigene Ligen, eigene Trainer, eigene Spielfeldgrößen. Der Mädchenfußball soll technisch und taktisch von kleinen und schmalen Felder profitieren, damit die Spielerinnen gar nicht erst mit einem Kick-and-Rush anfangen, erklärt Marc Prenty. So ganz funktioniert das in Ellerslie noch nicht, aber immerhin verliert die Mannschaft nicht. Sie haben seit neustem eine Trainerin, eine Spielerin der Frauenmannschaft. Auch das wird von John Herdman unterstützt. »Bislang werden Mannschaften meistens von Vätern trainiert. Die haben in den meisten Fällen keine Ahnung von Training und in vielen Fällen auch keine Lust. Feste Trainer können wir uns nicht leisten.«

Ein Lächeln von Dan Carter

Und da schielt Prenty neidisch hinüber zum benachbarten Rugby-Verein: halb so viele Mitglieder, doppelt so viele Felder, fünfmal so viele Festangestellte. Rugby ist hier Religion. Die All Blacks, die Rugbynationalmannschaft, sind Götter, selbst die kleinen Fußballerinnen nennen Dan Carter, einen der beliebtesten Rugbyspieler des Landes, als ihr Idol. Kein Wunder, Dan Carter lächelt die Menschen von Werbeplakaten für Heizungen, Versicherungen, Deos und sogar von Eistüten aus an.

Fußballspieler sind hier keine Stars, noch nicht mal Messi oder Ronaldo. Und das hat einen guten Grund. Um das Champions League Finale zu gucken, musste Marc Prenty um 5 Uhr morgens aufstehen. Mit vor dem Fernseher saß seine fünf wochenalte Tochter. Sie soll einmal Fußballerin werden, »aber lieber in England, da gibt es wenigstens Fußballkultur!«, gibt er zu. Er hat sich in Neuseeland, die Kiwis und die beeindruckende Natur verliebt, aber die europäische Fußballkultur vermisst er schmerzlich. Prenty ist Engländer und kam vor einigen Jahren nach Neuseeland. Er überlegt: »Na ja, in 18 Jahren kann sich ja noch einiges ändern. Wenn man bedenkt, wie viel weiter wir in den letzten fünf Jahren gekommen sind.«