WM 2011 TEILNEHMERLÄNDER

Frauenfußball in Japan   

Sasakis Visionen

30.06.2011 | Text: Franziska Schmidt | Bild: Imago

Die Japan gilt seit Jahren als unangenehmer Gegner bei großen Turnieren. Der Verband fördert seine Frauen gezielt und lässt sie sich in Europa abhärten. Das Halbfinale ist Pflicht für die Mannschaft, die nach einer Nelke benannt ist.
Frauenfußball in Japan - Sasakis Visionen Norio Sasaki dürfte der Albtraum für jeden Freund des gepflegten Vorurteils sein. Von »japanischer Zurückhaltung« merkt man jedenfalls nicht viel, wenn der Trainer der japanischen Frauenfußballnationalmannschaft vor die Presse tritt und vollmundig verkündet: »Wir wollen Weltmeister werden«.   

Der Blick auf die jüngsten Resultate lässt Sasakis Aussage jedoch plausibel erscheinen. Die Japanerinnen stehen derzeit auf Platz 4 der FIFA-Weltrangliste, noch vor Mannschaften wie Schweden oder Kanada. Beim letzten großen Turnier, den Olympischen Spielen 2008, scheiterten sie erst im Halbfinale an den USA und demonstrierten eindrucksvoll, dass man sie zur erweiterten Weltspitze zählen darf. Der vierte Platz in Peking war der größte Erfolg in der noch sehr kurzen Geschichte des japanischen Frauenfußballs.

  


Erst 1979, nach einer weltweiten Kampagne der FIFA zur Förderung des Frauenfußballs wurde der japanische Frauenfußballverband gegründet. Sieben Jahre später wurde erstmals eine landesweite Nationalmannschaft zusammengestellt, die im gleichen Jahr asiatischer Vizemeister wurde. Als beschlossen wurde, dass Frauenfußball Bestandteil der 11. Asienspiele sein würde,  gründete man 1989 eine landesweite Liga. Die Liga wurde von Anfang an positiv angenommen; ähnlich wie im japanischen Männerfußball wurden die einzelnen Mannschaften von finanzkräftigen Firmen unterstützt.   

Obwohl es sich um eine Amateurliga handelte, verdienten einige Spielerinnen so gut, dass sie vom Fußballspielen leben konnten. Mitte der 90er Jahre galt die japanische Liga, auch wegen der Verpflichtung namhafter ausländischer Spielerinnen, wie die der norwegischen Rekordnationalspielerin Hege Riise, als eine der stärksten der Welt. Sogar die heutige DFB-Trainerin Silvia Neid hätte es 1994 beinahe in das Land der aufgehenden Sonne verschlagen. Nach einem Turnier in Amerika erhielt sie das Angebot eines japanischen Vereins, der ihr rund 80.000 DM netto in einer Saison zahlen wollte. Den Gedanken an einen möglichen Wechsel beerdigte Neid jedoch recht schnell, da der damalige Bundestrainer Gero Bisanz drohte, dass ein Tokio-Aufenthalt ihre Nationalmannschaftskarriere gefährden und das Olympiaticket nach Atlanta kosten könne. 

Krisenbewältigung

Die Krise der japanischen Nationalmannschaft, die mit einem miserablen Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Atlanta begann und in der Nichtqualifikation für Sydney 2000 gipfelte,  hatte verheerende Auswirkungen auf den japanischen Vereinsfußball. Nachdem die Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta alle Spiele verlor und sich nicht für Sydney qualifizieren konnte, ebbte auch das Interesse am Frauenfußball ab. Die Geldgeber, die ohnehin schon unter dem Konjunkturrückgang zu leiden hatten, zogen sich aus der Liga zurück; so dass der japanische Frauenfußball einer düsteren Zukunft entgegen sah.   

Mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Athen sorgte die Nationalmannschaft Anfang des Jahrtausends wieder für positivere Schlagzeilen. Der Erfolg ließ das Medieninteresse an der heimischen Liga wieder ansteigen, so dass viele Großkonzerne wieder in das Sponsoring einstiegen.   

2006 stieg die MOC Corporation, eines der größten Unternehmen der in Japan rasant wachsenden Hochzeitsbranche, als Hauptsponsor der Liga ein. Der neue Sponsor wollte dem Frauenfußball ein komplett neues Image verleihen. Für großes Aufsehen sorgte hierbei der Preis, der für den Titelgewinn ausgeschrieben wurde. Der Meister erhielt ein Diadem im Wert von einer Million Euro. So kam es, dass Tomoe Sakai, Spielführerin von NTV Beleza, bei der Meisterfeier keinen Pokal in die Luft reckte, sondern ein mit Nelken verziertes Krönchen aufgesetzt bekam.   

Im vorigen Jahr wurde in Japans Liga ein neuer Modus eingeführt, der helfen soll, den Frauenfußball besser zu strukturieren und attraktiver zu machen. Das Zuschauerinteresse in der Liga lässt nämlich momentan noch zu wünschen übrig. Die meisten Spiele werden, trotz freien Eintritts, von nicht einmal 1000 Zuschauern verfolgt. Wenn Spiele im Bündel mit dem Spiel einer Männermannschaft ausgetragen wird, wird es richtig voll. Bei den Urawa Red Diamonds kommen dann gerne auch mal über 8000 Zuschauer zu den Frauenspielen.   

In der L-League, Japans Eliteliga, spielen jetzt 10 Mannschaften die Meisterschaft unter sich aus. Die zweite Liga wurde geteilt, so dass nun im Westen und im Osten jeweils 6 Mannschaften gegeneinander antreten.