WM 2011 TEILNEHMERLÄNDER

Frauenfußball in Äquatorialguinea   

Ä!

03.07.2011 | Text: Johanna Behre | Bild: Imago

Äquatorialguinea ist der WM-Neuling mit dem Flair von Exotik: Das Land unbekannt, die Spielerinnen angeblich Männer. Genoveva Anonma hat in der Bundesliga bewiesen, dass die Westafrikanerinnen auch Fußball spielen können.
Frauenfußball in Äquatorialguinea - Ä! Flächenmäßig etwa so groß wie Brandenburg, deckt sich die Einwohnerzahl je nach Schätzung mit der von Stuttgart oder Köln. Die Hauptstadt Malabo liegt auf einer von mehreren Inseln vor dem Festland. Holz, Kakao und Öl sind die Exportschlager des Landes. Und Fußball. Die Rede ist nicht von Brasilien oder Kolumbien. Die Rede ist von Äquatorialguinea. 

In den letzten Jahren stand die Nationalmannschaft mehrfach in den Schlagzeilen. Nicht immer ging es dabei um ihre Leistung auf dem Platz. Oder gerade doch? Dass in der Auswahl nur wenige Einheimische, sondern überwiegend eingebürgerte Fußballerinnen aus Burkina Faso, Nigeria, Kamerun und Brasilien stehen, wird dabei fast zur Nebensache. 




Titel, Tests und Temperamente


Äquatorialguinea wurde – und wird bis heute – unterstellt, dass unter den elf Freundinnen auch ein paar Freunde sind. An vorderster Skepsis-Front: Nigeria und Südafrika – zwei Mannschaften, die in den vergangenen Jahren jeweils herbe Niederlagen gegen den «Nzalang«, den »Gewittersturm« aus Äquatorialguinea, einstecken mussten. Passenderweise stehen zwei Torjägerinnen unter Verdacht, eigentlich Männer zu sein: Salimata Simpore und Genoveva Anonma. Letztere weist die Anschuldigungen entschieden von sich: »Schon 2006 und 2008 kamen diese Vorwürfe auf. Da habe ich Tests gemacht, obwohl ich sie verletzend finde. Es gibt diese Vorwürfe, weil ich eben so schnell und stark bin. Aber ich weiß, dass ich auch als Frau so sein kann.« 

Das Team, trainiert von dem Brasilianer Tchelo, steht zurzeit auf Platz 61 der FIFA-Weltrangliste – und damit vor Haiti und hinter Slowenien. Dass das nicht viel zu sagen hat, stellte das Team mit dem Sieg über Erzrivalin Nigeria und dem anschließenden Gewinn des Africa-Cups 2008 unter Beweis. Bereits ein Jahr zuvor, bei der Olympia-Qualifikation 2007 im Spiel gegen Südafrika, setzte die Auswahl um Stürmerin Genoveva Anonma ein erstes Ausrufezeichen. Das Zweite ist das Team selbst: Vor der präsenten Torhüterin Miriam Paixao Silva steht eine eingespielte Abwehr, im Mittelfeld bedient die spanische Mehrfachmeisterin Jade Boho Sayo die torhungrige Genoveva Anonma – die nach eigenen Aussagen ansonsten noch ausgiebiges Baden und Schokoladeneis mag. 

Entwicklungshilfe aus Afrika

2009 unterschrieb die 22-jährige Angreiferin einen Vertrag beim USV Jena. Sie zog aus dem westafrikanischen Malabo in die Studentenstadt mit Plattenbau-Charme, von der Subsahara ins südwestliche Thüringen. Doch Anonma scheint sich wohlzufühlen in Jena. Der Verein nennt sie seine »Lebensversicherung«. Völlig zu Recht: In 17 Spielen erzielte die 1,68m große Stürmerin 13 Tore. Dass der Abstieg in der vergangenen Saison noch abgewendet werden konnte, geht zu einem erheblichen Teil auf ihr Konto – wie auch der Gewinn des Africa-Cups Äquatorialguineas 2008.
Allen Statistiken zum Trotz sieht Anonma ihr Team dennoch als klare Außenseiterin bei der WM und bekennt: »Wir kennen die Spielweise der anderen nicht.« Die WM in Deutschland ist die erste WM für Äquatorialguinea. Den anderen Mannschaften geht es mit Anonmas Team aber genauso: Sie kennen seine Spielweise kaum. Äquatorialguinea gilt als die große Unbekannte des Turniers. Die Mannschaft als das Team der Namenlosen. Unverständlicherweise. Genoveva Anonma – ist doch eigentlich ganz einfach.