Die wohl beste Fußballerin der Welt ist Brasilianerin. In ihrer Heimat passen Frauen und Fußball dennoch in vielen Köpfen noch nicht zusammen. Trotzdem ist klar: Brasilien muss Weltmeister werden.
Kleiton Lima ist für einen Brasilianer ein eher zurückhaltender Zeitgenosse. Als Glücksfee Adriana Karembeu aber bei der Auslosung im November Brasilien in die Gruppe D zu Norwegen, Australien und Äquatorial-Guinea loste, konnte sich der Trainer der »Selecao« trotzdem ein Lächeln nicht verkneifen. Vor den versammelten Journalisten freute er sich hinterher über das »gute Los« und machte zugleich deutlich, dass Brasilien nur mit einem Ziel nach Deutschland fährt. »Wir werden sehr konzentriert zu Werke gehen, weil es unser Traum ist, hier das Finale gegen die Gastgeberinnen zu bestreiten. Bei allem Respekt hätten wir gern eine Revanche.«
Die Finalniederlage bei der letzten Weltmeisterschaft 2007 in China sitzt bei den Fußballerinnen aus Südamerika noch immer tief. Mit Kleiton Lima wurde 2009 vom Verband jemand installiert, der gezielt die Spielerinnen auf das Turnier und die Revanche gegen Gastgeber Deutschland vorbereiten soll. Der Ehemalige Spielerbeobachter von
Carlos Alberto Parreira meisterte seine Sache in der Qualifikation bravourös, trotz der zwischenzeitlichen Doppelbelastung als Trainer der Frauenmannschaft des FC Santos. Im Dezember setzte der Verein aus der Hafenstadt Lima überraschend vor die Tür, obwohl dieser zuvor die Copa Libertadores gewann. Lima, der auch Angebote aus dem Männerbereich bekam, entschied sich Anfang März den Frauen treu zu bleiben und trainiert nun die Frauenmannschaft des FC Flamengo.
Frauenfußball-Boom trotz NiederlageSeit dem Finale von Shanghai lösten die »Meerjungfrauen« in ihrer Heimat damals unverhofft einen Boom aus. Viele Eltern, die ihren Mädchen das Fußballspielen untersagt hatten, brachten sie nun selbst zum Training. Viele Mädchen von Recife bis Porto Alegre, die sich bisher aus Scham nicht getraut hatten, träumten nun von einer internationalen Karriere wie Marta oder Cristiane. Selbst der damaliger Nationaltrainer der Männer Carlos Dunga zeigte sich schwer angetan von der Leistung der Spielmacherin
Marta Viera da Silva. »Sie spielt schön, kämpft aber auch für das Team, ohne zu meckern. Diese Frauen sind ein Vorbild auch für den Männerfußball« sagte er.
Mit den Erfolgen der letzten Jahre und dem Bekenntnis vom Dunga brach dadurch in der Öffentlichkeit ein Tabu. Im Land des Rekordweltmeisters wurde Frauenfußball zwischen 1965 und 1982 von der Diktatur verboten. Selbst nach der Diktaturherrschaft wurde das Fußballspielen für junge Mädchen zur Qual. Nicht selten galten Sie als hässlich oder als Lesben, die bespuckt oder verhöhnt wurden. Einen offiziellen Ligaspielbetrieb gibt es erst seit der letzten WM in China, nachdem Verbandschef Teixeira keine andere Wahl mehr blieb.
Verbessert hat sich trotzdem recht wenig, die Regionalmeisterschaft läuft kaum länger als vier Monate. Nur die wenigsten Klubs können die richtigen Sponsoren an Land ziehen, die für durchgehende Gehälter aufkommen können. Selbst der Ex-Klub von Nationaltrainer Lima wusste im Januar noch nicht, wie er seine Frauenabteilung das nächste Jahr über finanzieren sollte. »Auch wenn es von Jahr zu Jahr besser wird, hinken wir immer noch hinterher« muss Lima zugeben. Für viele Spielerinnen ist der Weg ins Ausland die einzige Möglichkeit Geld zu verdienen.
Auf zu neuen UfernFür sie wird die Weltmeisterschaft in Deutschland der einzige Weg bleiben, um sich bei ausländischen Klubs zu empfehlen. Momentan steht die Hälfte der Spielerinnen aus dem Kader bei ausländischen Vereinen unter Vertrag, nach der
Weltmeisterschaft könnte es um einiges mehr werden.
In der Qualifikation erfüllte Brasilien die Mission mehr als zufriedenstellend und verlor keine der sieben Begegnungen und ist damit das einzige südamerikanische Team, das an allen Weltmeisterschaften teilgenommen hat. Lediglich zwei Gegentore musste die Mannschaft hinnehmen und selbst der Titelverteidiger Argentinien wurde mit einer 4:0-Packung aus der Endrunde geworfen. Die große Stärke der »Selecao« bleibt allerdings die Offensive um Marta und
Cristiane die zusammen 17 der 25 Tore erzielten.
Dennoch wartet mit
Norwegen in der Gruppe der erste Stolperstein auf die Frauen vom Zuckerhut. Der Gruppensieg könnte sich schon am zweiten Spieltag in Wolfsburg entscheiden. Gegen die Mannschaft von Trainerin Eli Landsem wartet auf Brasilien eine spielstarke Mannschaft, die besonders in der Defensive sehr gut aufgestellt ist.
In der Qualifikation kassierten die Norwegerinnen ähnlich wie die Brasilianerinnen nur zwei Gegentore, allerdings gegen durchaus bessere Gegner. Mit Australien und Äquatorial-Guinea dürften die Brasilianer zufrieden sein und keine Probleme haben. Marta und Cristiane werden alleine nicht ausreichen um die gute Defensive zu knacken, das weiß auch Landsem. »Na ja, eine Spielerin kann uns natürlich nicht schlagen, dazu ist schon eine ganze Mannschaft nötig«. Vielleicht auch bald eine ganze Nation.