WM 2011 TEILNEHMERLÄNDER

US-Kapitänin Christie Rampone im Porträt    

Mutter Courage

15.07.2011 | Text: Astrid Labbert | Bild: Imago

Christie Rampone wird im WM-Finale ihr 240. Länderspiel bestreiten. Die Spielführerin des US-Teams ist Mutter zweier Kinder, 36, und rennt Marta hinterher, als sei es nichts. Das Portrait einer ganz besonderen Spielerin.
US-Kapitänin Christie Rampone im Porträt  - Mutter Courage Die Innenverteidigerin vom Dienst hat im Laufe ihrer 14-jährigen Nationalmannschaftskarriere schon viele Titel gewonnen. Der ungewöhnlichste ist vermutlich dieser: »The most respected Mom in sports«, was im Deutschen etwas unglamourös »Die respektierteste Mutter im Sport« bedeutet. Die 36-Jährige hat den Leistungssport auch nach zwei Schwangerschaften nicht aufgegeben, stand jeweils rund drei Monate später wieder auf dem Platz. Mitspielerin Megan Rapinoe, 26, sagt: »Sie ist »Superfrau«. Ich weiß nicht, wie sie das macht. Nach dem Training komme ich nach Hause, leg mich aufs Sofa und will nichts mehr sehen. Und sie hat dann ihre zwei Kinder.«



Es war 2009, als Christie Rampone ihr Vereinsteam Sky Blue mal wieder überraschte. Soeben hatten sie die Meisterschaft der US-amerikanischen Profiliga gewonnen, da verweigerte Rampone den kaltgestellten Champagner und meinte stattdessen: »Ich muss euch etwas sagen.« Die Spielerin, die gegen Ende der Saison aus der Not heraus auch noch den Trainerposten übernommen hatte, war seit drei Monaten schwanger. Keine große Sache, sportlich gesehen, fand Rampone. Sie kannte das ja schon. Und in der Tat: Auch nach dieser zweiten Geburt begann sie bald wieder mit dem Training, holte sich ihren Stammplatz zurück, sowohl im Verein wie in der Nationalmannschaft. »Ich bin einfach ein Typ, der den Körper am Laufen halten muss«, sagt sie. »Ich bin jetzt sogar fitter als zuvor, was natürlich eigentlich verrückt ist.«

Die Tatsache, dass nur wenige aktive Fußballerinnen Kinder haben, kann sich Rampone selbst nicht ganz erklären. In Deutschland etwa ist Rekordnationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg eine der wenigen gewesen, die nach ihrer Schwangerschaft ins Nationalteam zurückkehrte. Das war in den neunziger Jahren. Vor allem aus Großbritannien und Skandinavien sind noch »Soccer moms« bekannt - und aus den USA. Rampone sagt, hätte es nicht Fußballmütter wie Julie Foudy vor ihr gegeben, sie hätte es sich nie zugetraut. Vor allem spielten das Umfeld und die Finanzen eine entscheidende Rolle. Würde der amerikanische Fußballverband ihr nicht zugestehen, die Kinder zu Trainingscamps mitzunehmen, hätte sie den Fußball vermutlich drangegeben, meint Rampone. Es klingt also ganz nach der üblichen Schleife von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, in der auch Fußballmütter stecken.

Rampone sieht ihr heutiges »Doppelleben« indes im Gleichgewicht. »Ich kann den Fußball genießen und denke nicht mehr so viel über die Kleinigkeiten nach, weil ich nach dem Training meine Kinder habe.« Während der langen Trainingscamps der Nationalmannschaft seien die »Kids« sogar fürs ganze Team eine Abwechslung: »Die Teamtreffen, die Videoanalysen, das Training: All das ist mental anstrengend. Meine Mitspielerinnen finden es toll, wenn die Kinder dabei sind. Ich denke, sie können auch ein bisschen loslassen, wenn sie sie sehen.«

Derzeit weilen die fünfjährige Rylie und einjährige Reece allerdings im heimischen New Jersey; beaufsichtigt von der Großmutter. Ehemann Chris Rampone hat längst die Koffer gepackt, um seine Frau in Deutschland zu unterstützen. Tochter Rylie, die bereits selbst Fußball spielt, gibt unterdessen per Skype-Verbindung Tipps. Nach dem verlorenen Spiel gegen Schweden in der Vorrunde bekam Mutter Rampone die Ansage: »Mommy, du kannst nicht noch mal ein Spiel verlieren.« Es folgte der Elfmeterkrimi gegen Brasilien, jetzt der 3:1-Sieg gegen Frankreich im Halbfinale. Seither beherrschen die Fußballerinnen übrigens auch die Sportnachrichten in den USA, selbst Hollywood-Schauspieler Tom Hanks twitterte: »Ich liebe diese Frauen.«

Christie Rampone ist die einzige Spielerin im aktuellen Kader, die auch schon 1999 (als Einwechselspielerin) in dem inzwischen legendären Aufgebot stand, das den vorerst letzten WM-Titel für die USA holte. Am Sonntag schließt sich in Frankfurt für sie damit auch ein Kreis: »Es ist unglaublich, Teil von beiden Mannschaften zu sein«, sagt Rampone. »Heute habe ich natürlich eine andere Rolle als 1999, bin Führungsspielerin und will den Mädels helfen, den Titel nach Hause zu holen.« Schluss will sie danach übrigens noch nicht machen. »Ein Jahr gebe ich mir noch.« Das Ziel: die olympischen Spiele 2012.